Seetag mit Überraschungen


Das war eine großartige Überraschung, dass wir für heute eine persönliche Einladung des Captain erhielten, die Brücke zu besichtigen. In der Einladung stand die ausdrückliche Bitte, nicht mit anderen Gästen darüber zu sprechen, weil es nur für die exklusive Gruppe der Suite Guests gedacht war. Und so kamen wir mit einer überschaubaren Gruppe von etwa 30 Personen etwas konspirativ in einem Treppenhaus unseres Decks zusammen und wurden durch eine Tür geführt mit dem Schild „Crew Only“ und standen auf der imposanten Brücke. Mit den beiden Flügeln (Wings), den überstehenden Seiten, misst der durchgehende Raum gut 50m in der Breite.

Wir durften alles fotografieren, sollten aber doch bitte keinerlei Knöpfe drücken. Zwei junge Kadetten erzählten uns alles Wichtige und gaben auf alle Fragen geduldig Auskunft. Neben dem zentralen Steuerstand in der Mitte gibt es auf den Wings zwei weitere Steuerstände, die hauptsächlich zum Anlegen benutzt werden, weil sie vollen Blick auf die ganze Schiffsseite bieten. Verblüffend, dass das riesige Schiff von den drei Steuerständen jeweils mit zwei kleinen Mini-Steuerrädern von der Größe zweier Mokkatassen gesteuert wird. Die Geschwindigkeit wird daneben über zwei Joysticks geregelt, für jede Schraube einen.

Daneben befinden sich Pulte mit jeder Menge von Schaltern, Knöpfen und weiteren Bedienelementen. Darüber hängt eine Reihe verschiedenster Monitore für alle möglichen Navigationssysteme und Messdaten.

Die Brücke ist permanent mit vier Mann besetzt, die immer 4 Stunden Wache und 8 Stunden Ruhe haben. Der Kapitän ist nicht ständig auf der Brücke. Mit weiteren Offizieren kommt er nur bei Hafeneinfahrten, beim Anlegen oder wenn manuelles Fahren notwendig ist, auf die Brücke, - oder wenn er Gäste wie uns dort begrüßt.

Gerne hätten wir auch die Technik im Schiffsbauch besucht, aber Technikführungen hat die Reederei vor Kurzem gestrichen, weil es dort zu Unfällen mit Fahrgästen kam. So wurde Einiges hier erklärt:
Sechs große Dieselmotoren liefern die Leistung für das gesamte Schiff. Bei Fahrt werden sie noch mit Schweröl betrieben, und in Häfen wird der Sprit umgeschaltet auf Dieselöl. Das Schweröl ist ja sehr umstritten, aber man sagte uns, dass hier die modernste Abgasreinigung eingesetzt wird. Wir haben an Deck tatsächlich kaum etwas aus dem Schornstein kommen sehen. Diese Motoren treiben mit konstanter Drehzahl große Generatoren an, die wiederum die zwei Elektromotoren für den Antrieb speisen. Ein Großteil der elektrischen Energie braucht das Schiff für sich selbst, und das meiste davon geht an die Klimaanlagen. Die Abwärme der Dieselmotoren speist drei eigenständige „Betriebe“ im Schiff: ein Wasserwerk, eine Müllverbrennung und eine Kläranlage. Das Wasserwerk versorgt das Schiff durch Seewasserentsalzung mit Trink- und Warmwasser. Das müssen unglaubliche Mengen sein, wenn man allein an die Duschen der 800 Kabinen denkt. (Bei uns gibt es sogar neben der Dusche auch eine Badewanne!) Die Müllverbrennung verbrennt allen organischen Abfall, dessen Asche dann in den Häfen entsorgt wird. Und die Kläranlage reinigt alles Abwasser in mehreren Stufen, bis sie das Wasser ins Meer zurückgeben kann. Schade, die Technik konnten wir nicht sehen, ich habe die Info einem Flyer entnommen.

Aber der Tag war noch nicht zu Ende: Für den Nachmittag hatten wir noch eine Einladung:

Geschüttelt oder gerührt? So hieß die Frage bei einer "Martini Affäre" zu der wir in eine der Bars eingeladen wurden. Nun sind wir nicht wirklich Fachleute für Martinis, und so bestellte ich uns zwei Manhattan, weil der einer der wenigen Martinis ist, die ich kenne. Später wechselten wir dann doch lieber zu Champaign. Dazu gab es lecker Häppchen. Wir wunderten uns nur, warum alle anderen so sehr „dressed“ daherkamen mit Anzug, Krawatte oder Fliege. Selbst unser Hotelmanager erschien im Dinner Jackett. Uns war es völlig entgangen, dass der Abend als „formal evening“ deklariert war, und ich fühlte mich im kurzärmeligen Sommerhemd etwas misplaced, war aber zum Glück nicht der Einzige!

Zum Abendessen bin ich dann doch noch schnell in ein Jackett geschlüpft und danach gingen wir wieder zu einer schönen Show.