Erstes Erwachen im Outback
Beide haben
wir, trotz des immerwährenden Gerumpels, sehr gut geschlafen, obwohl Gundi
morgens behauptete, der meiste Krach sei von oben gekommen! Ich weiß gar nicht,
wie sie das wohl gemeint hat!!!
Der erste
Blick aus dem Fenster: Sonnenaufgang! Über dem Meer? Nein, es ist Land! – Rote
Erde, Felsbrocken, kleine Büsche, ansonsten platt bis zum Horizont. Seit
gestern Abend fahren wir schon durch die riesige, baumlose Nullarbor Ebene.
(Null arbor = Null Baum)
Die
Behauptung, Perth sei die abgelegenste Großstadt der Welt ist plausibel: Im
Norden und Süden unbesiedelte Küste, im Westen der Ozean und im Osten beginnt
in 40km das Outback.
Aber Halt! Heute
mussten wir früh raus, es wird ein langer Tag mit viel Programm. Wir haben ja
eine Reihe von Ausflügen gebucht, die entlang der Wegstrecke organisiert
werden. Oft gibt es mehrere Alternativen, und für uns ging es heute früh um 7
Uhr raus. Nur eine Tasse Kaffee im Bauch, so stiegen wir in bereitstehende
Busse. Alles wieder perfekt organisiert mit genauer Registrierung, damit kein
Rentner in der Wüste abhanden kommt.
Es ging mit
dem Bus aus Kalgoorlie hinaus in die rote Wüste bis wir in eine Industrielandschaft kamen. Wir waren an einer
der größten, aktiven Goldminen angekommen. In einem Werkshof bekamen wir ein
paar Schnittchen und ein paar Gläschen und konnten zwei der Fahrzeuge bewundern
und begehen, wie sie in der Mine im Einsatz sind: Ein Muldenkipper und ein
Radlader, beides in riesiger Größe. Danach gings noch mal in den Bus, und wir
fuhren an den Rand des „Super Pit“. So heißt der kolossale Tagebau, aus dem
seit 1989 Gold abgebaut wird. Der offene
Trichter hat einen Durchmesser von 3,7km. Zuvor bekamen wir Schutzbrillen
verpasst, wegen des fliegenden Sandes, und Helme auf den Kopf, weil es
vermutlich einfach schick aussah.
Zurück im
Zug, gab es ein vorzügliches und reichhaltiges Lunch. Und so saßen wir im
Speisewagen und schauten aus dem großen Fenster. In der Gleichförmigkeit des
vorbeiziehenden Bildes sucht das Auge nach Besonderem, und bleibt höchstens an
einem eigenartigen Busch oder Felsen hängen. Man sucht nach Tieren, aber keines
ist zu sehen. (Kängurus werden wir allerdings an späteren Tagen noch viele vom
Zug aus sehen können.) Es sollen hier auch Emus, wilde Ziegen, Dingos, ja sogar wilde Kamele geben, die früher mal eingeführt,
dann freigelassen wurden. Die Kamele gelten in bestimmten Gegenden inzwischen
als Plage. So werden sie heute eingefangen und für gutes Geld an Saudi Arabien verkauft.
Und noch ein
Weltrekord: Wir fahren gerade über die längste Geradeaus-Strecke der Welt (478km)
auf Schienen. Muss man sich mal vorstellen: München - Frankfurt ohne eine
einzige Kurve!
Das erinnert mich an unseren Big Loop durch die USA, als das Navi einmal sagte, 'Folgen sie dieser Straße für 763km'.
Der Zug erreichte gegen Abend Cook.
1917 gegründet als Versorgungsstützpunkt der Bahn gab es dort ein paar
Wohnhäuser, eine Schule, ein Krankenhaus und ein Kaufhaus. Als man 2009
beschloss die Gemeinde aufzulösen, hatte sie noch vier Einwohner. Dennoch ist
Cook keine Geisterstadt, denn sie wird turnusmäßig von Service-Leuten der Bahn bewohnt.
Die hatten nun einen von Fackeln gesäumten Weg vom Zug ausgehend gesteckt, wo
wir nach dem Dinner zu einem Feuer und Stehgetränken geführt wurden. Es sollte eine
kleine Sterngucker-Party werden. Heute war der Himmel klar, wenn auch der Mond
noch etwas zugenommen hat, und auch das Feuer etwas störte, aber schön wärmte. Ein
Australischer Barde trug schöne Country Songs vor. Wir konnten aber das „Kreuz
des Südens“ sehr gut sehen und waren wirklich fasziniert von diesem
Sternenhimmel.
Kein Wunder,
dass wir in München immer nur vier Sterne sehen, wenn die sich alle hier unten
herumtreiben!