Weinprobe und Dinner im Barossa Valley


Die Reise ging noch in der Nacht weiter. Als die Sonne aufgeht, befinden wir uns in einer komplett anderen Landschaft, im Barossa Valley. Ein „Tal“ zu durchqueren, bedeutet hier schon einmal eine Tagesreise mit der Bahn! Bekannt ist das Valley als eine der wichtigsten Weinbaugebiete Australiens. Es zeigt eine fantastische Landschaft aus Weinfeldern, sanften Hügeln, idyllischen, historischen Städten, die den Charme und Charakter der Gegend ausmachen. Es gibt hier über 150 Weingüter. Angebaut wird hauptsächlich Shiraz, Chardonnay Grauburgunder und Riesling. (Letzterer ist aber nicht für unseren Geschmack, er gehört in den Rheingau!). Zwischen den weiten Kulturflächen mit ausladendem Ackerbau, liegt dann immer wieder naturbelassene Wildnis mit Wiesen und Bäumen. Hier sahen wir dann auch viele Kängurus in großen Gruppen herumstehen.

Hier im Weinbauland gibt es viele historische Bindungen auch zu Deutschland, die z.B. im Namen des Weinguts anklingen, zu dem wir am Nachmittag aufbrachen: „Seppeltsfield". Das Weingut wird heute in achter Generation eines deutschen Winzer-Vorfahren geführt.

Hier sollte es zur Weinprobe mit Dinner gehen. Dazu standen am Nachmittag an einem namenlosen, 600m langen Bahnsteig im Nirgendwo wieder ein Parkplatz voller weißer Busse bereit, um uns in 2-stündiger Fahrt zum Weingut zu bringen. Wir kamen an einem bombastischen Weingut an, das wie ein Schloss in einer weitläufigen Parkanlage lag. Es folgte ein Sektempfang auf einem Rasen und danach eine Weinprobe an vier großen kreisrunden Bartresen in der Halle. Der Chef des Weingutes hielt eine launige Rede und führte uns durch die Produkt-Beschreibungen dreier Weine, die wir vor uns fanden.

Anschließend wanderte die ganze Meute durch den Park in eine große, hübsch dekorierte Lagerhalle, mit langen Tischen, deren festliche Eindeckung Vorfreude aufkommen ließ. Und tatsächlich wurde bald ein mehrgängiges Dinner von höchster Qualität aufgefahren. Glücklicherweise hatten wir die Probiergläser nicht mitnehmen müssen, sondern es wurde bei Tisch gut und beständig ein- und nachgefüllt.
Bald erklang Tanzmusik von einer Drei-Mann-Band… - und wer Gundi kennt, weiß, dass sie mit den ersten Klängen locker zur Tanzfläche swingt, - und wer mich kennt, weiß, dass ich in solchen Situationen lieber auf mein Weinglas aufpasse!

Die Busse fuhren uns spät abends auf einer anderen Strecke zum Bahnhof von Adelaide. Hierher war inzwischen unser Zug gerollt. Alle einsteigen, die Fahrt geht weiter.
Noch eine letzte, große Anstrengung: die Leiter zu erklimmen, und es war Nachtruhe! (Naja, sagt Gundi…)


Es gibt eine interessante Tradition im Seppelfields Vinary, das 1851 gegründet wurde und damit einer der ältesten Betriebe dort ist.
1870 begann der damalige Winzer ein kleines Kontingent besonders guten Weines in einem verschlossenen Keller zu lagern und nicht zu verkaufen. Das wurde seitdem mit allen Jahrgängen über alle Generationen hinweg fortgeführt, so dass das Weingut im Jahre 1970 eine erste Auktion von hundertjährigem, eigenem Wein veranstalten konnte. Durch die Kontinuität der Einlagerungen, kann das Weingut seit dem mit großem Zeremoniell eine jährlich Auktion von hundertjährigem Wein veranstalten. (Preis pro Flasche ca. 1800$) - Unternehmertum mit erstaunlicher Weitsicht!