Zwei Tage Heimflug


Nach einem Frühstück in unserem Stadt-Hotel in Sydney ging es per Taxi zum Flughafen. Wir wollten gut zwei Stunden vor Abflug dort sein. Das Einchecken beim Business-Schalter ging aber so schnell, dass wir eigentlich viel zu früh da waren. Schön auch, dass unsere drei Koffer gleich eine Banderole mit MUC erhielten, so brauchten wir uns bei der Zwischenlandung in Singapur nicht um unser Gepäck zu kümmern.

Wir gingen also in die Lounge der Singapore Airlines, um auf den Abflug zu warten. Dort fanden wir ein großes Frühstücks Buffet vor, so dass wir uns eigentlich das teure Frühstück im Hotel hätten sparen können. Wir nahmen nur eine Kleinigkeit und suchten uns eine stille und bequeme Ecke, um noch ein bisschen Schlaf nachzuholen.

Dann ging es zum Boarding, wieder privilegiert über eigenen Zugang, in den vorderen Teil des Fliegers, und wir richteten uns in unseren Kojen ein. Kaum in der Luft wurden schon unsere Tische eingedeckt zum 3. Frühstück des Tages: Weiße Tischdecken, Stoffservietten, Metallbesteck und Porzellan, - alles, wie wir es schon beim Hinflug genießen konnten.

Es stand uns nun ein sieben-stündiger Flug nach Singapur bevor, wo wir zum Frühstück (!) ankommen werden. Irgendwie kommt man mit der Zeitrechnung nicht mehr mit. Man versucht die reine Flugzeit mit der lokalen Zeit rechnerisch in Einklang zu bringen. Auf der Armbanduhr hat man noch Sydney-Zeit, das Handy zeigt, dank vorhandenem W-LAN rückläufige, lokale Uhrzeiten, und der Infoschirm sagt, dass man am nächsten Tag morgens in Singapur sein wird. Mit solch paradoxen Gedanken bin ich sehr bald im bequemen Liegesitz entschlummert, während Gundi sich schon gleich nach dem Frühstück das Bett bauen ließ!

So ging für uns der lange Flug mit Lesen, Schlafen, Fernsehen, Essen tatsächlich ‚wie im Fluge‘ vorbei, und wir erreichten Singapur am Freitag Morgen ziemlich entspannt, satt und ausgeruht. Wir hatten nun sieben (!) Stunden Aufenthalt, bis zu unserem Anschlussflug nach München. Das ist eine lange Zeit im Flughafen, doch zu kurz, um den Flughafen zu verlassen. (Dachten wir.)

Wir hatten gehört, und Bilder gesehen, von der Welt größtem Indoor-Wasserfall, den es hier im Flughafen gibt. Den wollten wir uns ansehen, wir hatten ja genügend Zeit. So gingen wir los und suchten nach irgendeinem Hinweis, wie man ihn findet, - nichts zu sehen! Wir fragten mehrmals und erhielten widersprüchliche Wegbeschreibungen. Wir fuhren mit der Skytrain zu anderen Terminals, aber auch hier kein einziges Schild, also wieder frustriert zurück zu unserem Terminal 3.

Nach weiterem Fragen erfuhren wir endlich, dass sich der Wasserfall gar nicht im Flughafen, sondern in einer benachbarten Einkaufs-Mall befindet. Damit erklärt sich das Fehlen jeglicher Hinweise, denn der Flughafen beherbergt Hunderte von Geschäften und hat wohl kein Interesse, die Kunden außer Haus zu schicken. Aber was heißt jetzt eigentlich ‚außer Haus‘? Natürlich, wir waren im internationalen Bereich des Flughafens und mussten jetzt nach Singapur „einwandern“! Beide mussten wir ein umfangreiches Immigration-Formular ausfüllen mit Fragen, ob wir ansteckende Krankheiten hätten, wie unser Kontakt in Singapur heißt, oder mehr als drei Monate bleiben wollten! Dann ging es zur automatisierten Zoll- und Passkontrolle mit Fingerabdruck und Fotokontrolle - und waren nun berechtigt, drei Monate in Singapur zu bleiben. Wir wollten doch nur sieben Stunden bleiben, wovon drei inzwischen vergangen waren.

Über endlos lange Rollbänder erreichten wir schließlich das Einkaufszentrum und sahen nun diesen wirklich imposanten Wasserfall, der da aus einer riesigen Glaskuppel als ein Zylinder aus Wasser aus 40 Metern Höhe zu Boden stürzt. Die Wände des Rundbaus sind dschungelartig in mehreren Ebenen mit echten Pflanzen bewachsen. Die einzelnen Ebenen kann man über Treppen und Fahrstühle erreichen. Sie bieten rundherum neue Ausblicke auf das herabstürzende Wasser in der Mitte und das wilde Grün gegenüber. Die Illusion, sich in einer beeindruckenden Natur zu bewegen, wird allerdings getrübt durch Lärm und Gerüche aus den vielen Restaurants und Bars, die auf allen Ebenen ringsherum angeordnet sind. – Natürlich es ist schließlich ein Shopping-Center!

So blieben wir nicht allzu lange hier und begaben uns zurück zur automatisierten Einwanderungsbehörde, die uns zum Glück auch wieder ausreisen ließ. Wir gingen zur Lounge, die wir schon vom Hinflug kannten, luden uns ein leckeres Tellerchen auf und suchten ein gemütliches Eckchen, um unsere Akkus und die unserer Handys ein wenig aufzuladen.

Irgendwie kam dann doch die Zeit für unseren Weiterflug. Ein neues Flugzeug, aber mit der gleichen komfortablen Ausstattung, charmantem Service und gehobener Verpflegung. Auch die jetzt noch fälligen elf Stunden Flugzeit vergingen entspannt und angenehm im Liegen. Bis wir früh morgens in München gelandet waren. Nach einem erleichternden Wiedersehen mit unseren Koffern, ging es mit der S-Bahn zur Donnersberger Brücke und von dort rollerten wir unsere Koffer nach Hause. – Nach sechs Wochen waren wir wieder daheim!