Wer hatte ihn nicht in jungen Jahren, den Traum, einmal im großen Ami-Schlitten oder auf einer Harley-Davidson quer durch die USA zu reisen? - Ich schon!
Und obwohl ich seit 1972 etliche schöne, auch ausgedehnte Autoreisen in den USA unternommen habe, blieb der Traum von einem echten "Coast-to-Coast-Trip" immer in mir wach und er sollte nun 2019 tatsächlich wahr werden.
Aber Gundi wollte keinen so langen Trip im Auto mitmachen, obwohl sie eine famose und ausdauernde Fahrerin ist und sich auf amerikanischen Straßen immer ganz besonders wohlgefühlt hatte. Sie spürte wohl aber meine Enttäuschung - und schenkte mir diese Reise zum 75sten!
Ich war überglücklich und ratlos zugleich: So eine Reise will und kann man natürlich nicht allein unternehmen! Aber wozu hat man Freunde: Den Tschordscho (PALMianer Hans Limmer) brauchte ich noch nicht einmal ernsthaft zu fragen, ich habe ihm nur von meinem Dilemma erzählt, und schon fing er an, im Geiste seinen Koffer zu packen. Es war wirklich sehr mutig von ihm, aber er hat es wohl nicht bereut, dieses Abenteuer mitgemacht zu haben.
Bei den ersten Planungen stellte sich dann bald heraus, dass so ein One-Way-Trip relativ teuer wird wegen der Notwendigkeit, Hin- und Rückflug als sog. Gabelflug zu buchen. Auch verlangen die Mietwagenfirmen einen saftigen Aufschlag, wenn man das Auto an einer Küste mieten und an der anderen zurückgeben möchte. So entstand bald der Plan, einen 'Big Loop', nämlich von Küste zu Küste und zurück zu fahren, also das Auto wieder zurückzubringen.
Weil mein Sohn Tobias mit seiner kleinen Familie in Baltimore an der Ostküste lebt, bot es sich natürlich an, sein schönes Haus als Startpunkt unserer Reise zu wählen. Nach 35 Tagen und 15.000 km sind wir dann wieder bei ihm eingekehrt, rechtzeitig genug, um unseren Heimflug vom nahen Philadelphia zu erreichen.
Ja, dieses große Land - im wörtlichen Sinne - zu "erfahren" ist für mich eine immer wiederkehrende Faszination. Die langen Fahrten durch Landschaften, mal dramatisch schön, dann wieder endlos monoton, mal im Gewusel von acht Fahrspuren nebeneinander durch eine Großstadt, dann wieder, völlig einsam, ohne ein einziges Auto bis zum Horizont. Und das alles unter einem grenzenlosen Himmel mit spannenden Wolkengebilden! - Großes, echtes 'Autokino', das man sehr entspannt aus einer komfortablen Limousine heraus betrachtet. Zu dieser Art von "Easy Riding" gesellt sich auch organisatorisch eine sehr unkomplizierte Art, in den USA mit dem Auto zu reisen!
Ich empfinde hier tatsächlich immer noch dieses Erlebnis von Freiheit, das ich mir in keinem anderen Reiseland vorstellen kann, weil man die einzelnen Etappen einer langen Reise täglich neu und spontan angehen kann, ohne an feste Buchungen und starre Zeitpläne gebunden zu sein. Man fährt einfach "geradeaus", bis man müde ist, oder bis es besonders schön ist, oder bis man ein bestimmtes Zwischenziel erreicht hat, - und sucht sich ein Motel zum Übernachten. Deshalb reise ich auch nur mit einem normalen Pkw, und nicht im Wohnmobil, weil man die Campingplätze, im Gegensatz zu Motels, ziemlich genau und im Voraus planen und buchen muss. Und wenn einem der Camp Ground dann nicht gefällt, kann man nur schwer wechseln, beim Motel dagegen fährt man bei Nichtgefallen einfach einen Block weiter.
Das heißt natürlich nicht, dass wir den Big Loop nicht doch einigermaßen vorausgeplant haben. Das muss schon sein, einfach um möglichst viel High-Lights unterzubringen, und dennoch nach fast sechs Wochen den Heimflug nicht zu verpassen. Einige Quartiere mussten wir sogar im Voraus fest machen: Die Übernachtung in einer Lodge des Yellowstone Nationalparks muss man z.B. ein Jahr im Voraus buchen, und am verlängerten Wochenende des 'Memorial Day', Ende Mai, findet man ohne Reservierung in ganz Amerika keine Unterkunft, weil dann alle Amis in das erste ihrer zwei verlängerten Wochenenden starten.
Inzwischen sind wir beide gesund, ohne Probleme, ohne Unfall und mit wunderbaren Eindrücken wieder zu Hause angekommen. Nur das Wetter hätte gerne etwas schöner sein können.
Die Landschaft jedenfalls ist und bleibt großartig. Da bedarf es niemanden, der glaubt, er müsse sie 'Great Again' machen.
Während der Fahrt haben wir einen täglichen Blog geführt mit Landkarte, Tagesberichten und Fotos. Den haben wir jeden Abend über das stets vorhandene und kostenlose W-LAN der Motels mit letzter Kraft und zwischen zwei Pappbechern voll Wiskey live gestellt, so dass die Heimat uns verfolgen konnte. Wer Lust und Interesse hat, kann nun unsere Reise nachverfolgen.
Dazu muss man nur oben auf das Bild klicken.